FCI-Standard Nr. 111

Ursprung:

Widerristhöhe:

Gruppe 8: 
Apportierhunde - 
Stöberhunde - 
Wasserhunde 

Sektion 1:
Apportierhunde

Mit Arbeitsprüfung  

Großbritannien Rüde: 
Hündin: 
Gewicht:
56–61 cm
51–56 cm
nicht festgelegt 

Herkunft und Geschichtliches

Ein Besucher der weltweit größten Hundeausstellung, den englischen „Crufts“ kann im dortigen Katalog für den Golden Retriever die folgende Ursprungserläuterung finden:

„Über den Ursprung des Golden Retrievers besteht weniger Unklarheit als bei den meisten anderen Retrieverarten, denn es steht fest, dass diese Rasse von dem ersten Lord Tweedmouth im vergangenen Jahrhundert herangezüchtet wurde. Diese Tatsache geht aus sorgfältig geführten Zuchtbüchern und Aufzeichnungen hervor, die im Jahre 1952 von Lord Tweedmouths Großneffen, dem Earl of Ilchester, entdeckt wurden.“

Im Jahre 1864 paarte Dudley Marjoribanks, 1. Baron Tweedmouth, einen gelben Retriever mit welligem Fell (wavycoated) „Nous“ mit einem heute ausgestorbenen Tweed Water Spaniel „Belle“. Zwischen 1868 und 1890 züchtete Marjoribanks diese Linie sorgfältig weiter. Er kreuzte einen weiteren Tweed Water-Spaniel ein, zwei schwarze Retriever, ferner einen Irischen Setter und einen sandfarbenen Bluthund. Die erste Eintragung der Rasse ins Stud Book wurde 1913 unter der Bezeichnung „Flat-coated Retriever“ vorgenommen.[1]

Im Jahr 1913 wurde der Golden Retriever vom britischen Kennel Club, der deshalb als zuchtbuchführender Verband fungiert, als eigene Rasse anerkannt, 1920 wurde der Club für Golden Retriever gegründet[1]. Die Rasse gewann in der Folge vor allem in England und den USA rasch an Popularität. Etwa zu Beginn der 1980er Jahre begann die Rasse auf dem europäischen Kontinent verstärkt Fuß zu fassen, bis sie zu Beginn der 1990er durch häufige Auftritte in Fernsehwerbung und Spielfilmen einen regelrechten Boom (mit all seinen negativen Begleiterscheinungen) erfuhr. Heute zählt der Golden Retriever zu den beliebtesten und nach den Welpenstatistiken der zuständigen Zuchtverbände häufigsten Rassehunden im angelsächsischen und deutschsprachigen Raum. Daneben ist er in den skandinavischen und den Benelux-Ländern als Haushund weit verbreitet. Auch in Frankreich, und eingeschränkt im süd- und im osteuropäischen Raum, finden sich heute Golden Retriever.

Ähnlich der Entwicklung des Labrador Retriever lässt sich in jüngster Vergangenheit die Aufspaltung der Rasse in zwei verschiedene Typen erkennen: Der meist schwerer gebaute, üppig behaarte „show-type“ steht dem leichteren, athletischeren „working-“ beziehungsweise „field trial type“ gegenüber. Mit letzterem, der auf dem Kontinent (noch?) selten zu finden ist, werden in Großbritannien heute noch groß angelegte Such- und Bringwettbewerbe (vgl. Apportieren), die sogenannten field-trials durchgeführt.

Größere Differenzen im äußeren Erscheinungsbild der Hunde sind mittlerweile zwischen dem amerikanischen und dem europäischen (= britischem) Typus zu registrieren, auch wenn die jeweiligen Standards des AKC (American Kennel Club) und des britischen KC (The Kennel Club) teilweise wortgetreu übereinstimmen.


Ein Golden Retriever der Arbeitslinie (Field Trial Linie /Amerika) unterscheidet sich vom Golden Retriever der Showlinie in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild. Er ist athletischer und drahtiger, meist schlanker als der Golden Retriever der Showlinie. Die Fellfarbe ist gold bis dunkelgold.
Hinsichtlich des Temperamentes sind die Arbeitshunde sehr viel temperamentvoller, haben den Spürsinn und die Vorzüge eines guten Jagdhundes, sind sehr aufmerksam und lernen bereitwillig und schnell. Sie sollten geistig und körperlich gefordert werden, brauche eine konsequente Ausbildung und täglich sinnvolle Beschäftigung. Ihr Wesen ist robust und ausgeglichen, sie haben eine gute Nervenstärke, sind gut belastbar und zuverlässig.


Bei der Showline (England/Europa) wird zumeist mehr Wert auf die Ausstellungstauglichkeit gelegt. Diese Golden Retriever sind zumeist heller im Fell von creme bis light-golden, haben einen massiven, kräftig ausgeprägten Kopf. Der Körperbau ist schwerer und kompakter mit kürzeren Beinen. Schade, dass hier die Arbeitsleistung eine untergeordnete Rolle spielt und somit die vorzügliche Veranlagung des Bringens von Beute langsam weniger wird.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, den Genpool der Golden so groß wie möglich zu halten (sowie natürlich bei allen anderen Rassen auch). Leider scheint es so zu sein, daß heutzutage der immer gleich aussehende Golden Retriever gezüchtet wird, auf den Ausstellungen gleichen sie sich oft wie ein Ei dem anderen. Das man es da mit der Inzucht nicht so genau nimmt, erscheint in diesem Zusammenhang zwingend.

Mein Bestreben ist, einen Hund zu züchten, der im Aussehen dem Rassestandard wohl entspricht, die große Palette der Variabilität innerhalb dieses Standards aber möchte ich voll ausschöpfen, in puncto Arbeitsleistung genauso wie in Richtung Aussehen. Warum sollte ich einem so wundervollen Hund wie dem Golden Retriever etwas "abzüchten", nämlich z.B. den Beute- und Bringtrieb? Warum soll ein "Arbeitshund" nicht schön sein und ausstellungstauglich? Also habe ich in meiner Zucht konsequenterweise sehr unterschiedliche Hunden mit sehr unterschiedlichen Anlagen. Ganz bewußt suche ich ich mir immer wieder auch Deckrüden für meine jungen Damen aus, die gänzlich anders im Aussehen und im Wesen sind, um die Varianz innerhalb der Rasse zu fördern.

 

Beschreibung

Der Golden Retriever gehört zu den mittelgroßen Hunderassen (bis 61 cm). Sein Körperbau ist harmonisch, wobei das Verhältnis von Körperlänge gemessen vom Brustkorb bis zur Schwanzwurzel zur Widerristhöhe etwa 10:8 beträgt. Er besitzt eine kräftige, trockene Muskulatur und einen gut entwickelten Knochenapparat, der ihn zu kraftvoller Bewegung befähigt. Rippen und Brustkorb sind tief und ausgeprägt gewölbt, am Bauch ist das Gebäude deutlich aufgezogen. Der Rücken ist gerade und in der Lendenpartie kurz.

Das Haar eines Golden Retriever ist glatt oder wellig, in den Farben gold oder creme mit guter Befederung an der Rückseite der Vorderläufe, der Unterseite des Schwanzes, sowie im Brust- und Bauchbereich. Das Fell hat eine dichte, wetterfeste Unterwolle. Der Gesichtsschädel ist ausdruckstark geformt und besitzt einen deutlichen Stop. Die Ohren sind mittelgroß, in Augenhöhe angesetzt, und fallen etwa bis zur Höhe des Mundwinkels. Augenlider, Augeniris, Lefzen und Nasenschwamm sind stets gut pigmentiert, wobei sich bei einer ganzen Reihe von Hunden die Nase im Winter etwas heller färbt. Der Golden Retriever besitzt ein stark entwickeltes, vollständiges Scherengebiss.

Wesen

Der Golden Retriever in seinem Element: Wasser

Der Golden Retriever ist ein intelligenter, freudig arbeitender Hund, dem auch extreme, nasskalte Witterungsbedingungen nichts ausmachen. Dem steht allerdings eine relativ starke Empfindlichkeit hinsichtlich hoher Temperaturen gegenüber. Grundsätzlich ist die Rasse ruhig, geduldig, aufmerksam und gilt als nicht aggressiv. Sein Schutztrieb ist im Vergleich zu anderen Hunderassen – wenn überhaupt – nur rudimentär entwickelt. Das unter Retriever-Haltern bekannte Sprichwort: „Ein Golden vertreibt keinen Einbrecher; stattdessen freut er sich über den Besuch und hilft jenem, die Wertsachen aus dem Haus zu tragen“ kennzeichnet die meisten Hunde dieser Art recht gut. Wie nahezu jede Hunderasse kann aber auch der nicht erzogene beziehungsweise nicht fachmännisch zur Jagd ausgebildete Golden Retriever zum Wildern oder Streunen neigen. Allerdings ist er meist nicht wildscharf.<p >Die Haltung eines Golden Retrievers ist, wie die aller Jagdhunde, bewegungs- und trainingsintensiv. Unterforderte, in ihren Arbeitsanlagen nicht geförderte Hunde neigen dazu, unerwünschte Verhaltensweisen zu entwickeln. Deshalb ist es äußerst wichtig, eine über „normales Gassigehen“ hinausreichende Beschäftigung für Hund und Halter zu finden. Gut dazu geeignet sind die Fährtenarbeit, das Dummytraining, die Betätigung in einer Rettungshundestaffel oder einer Hundesportart, die etwas mit Nasenarbeit beziehungsweise Apportieren zu tun haben.

 

Verwendung  

Golden Retriever beim Apportieren aus dem Wasser

Der Golden Retriever wurde ursprünglich für die Jagd gezüchtet. Man setzte ihn ein, um geschossene Vögel - auch aus dem Wasser - zu apportieren (engl.: to retrieve „zurückbringen“). Darauf geht auch die hohe Wasseraffinität der meisten Hunde dieser Rasse zurück; sie sind in der Regel sehr gute Schwimmer.

Heute ist die Rasse vor allem für ihr ausgeglichenes Wesen, ihre gute Verträglichkeit mit fremden Menschen und ganz besonders mit Kindern bekannt. Von den Anlagen her zeichnen sich alle Retriever durch eine ausgesprochene Menschenfixiertheit aus, die sich, soweit sie mit viel Einfühlungsvermögen sowie der nötigen Konsequenz gefördert und gelenkt wird, zu einer bei vielen anderen Hunderassen kaum erreichbaren Leichtführigkeit ausbilden lässt. Dieser sogenannte „will to please“ kann den Betrachter zu der Annahme verleiten, für den Hund sei es das größte Glück, seinem Menschen alle Wünsche von den Augen abzulesen.

Die beschriebene Leichtführigkeit in Verbindung mit einer hohen Intelligenz und Anpassungsfähigkeit haben dazu geführt, dass der Golden Retriever neben seiner ursprünglichen Verwendung zur Jagd heute überdurchschnittlich häufig als Behindertenbegleithund, z. B. als Blindenführhund, Assistenzhund oder Gehörlosenhund, als Rettungshund und als Rauschgift- und Sprengstoffspürhund eingesetzt wird. Zumeist wird er als reiner Familien- und Begleithund gehalten.


 

Übungen zur Vorbereitung auf einen Welpen ;-)

  • Gießen Sie kalten Apfelsaft in verschiedenen Abständen auf den Fußboden Ihres Hauses, und laufen Sie dann barfuss im Dunkeln.
  • Tragen Sie Socken deren Spitzen mit einer stumpfen Schere zerraspelt sind.
  • Laufen Sie täglich sofort nach dem Aufwachen nach draußen in den Regen und sagen Sie laut: “Sei ein braver Hund, geh jetzt Pipi machen, beeil Dich, komm, lass uns gehen!”
  • Reiben Sie alle guten Kleidungsstücke mit Hundehaaren ein. (Dunkle Kleidung benötigt weißes Haar, helle dunkle Haare. ) Werfen Sie ebenso ein paar Hundehaare in die erste Tasse Kaffee am Morgen.
  • Spielen Sie Fangen mit einem nassen Tennisball.
  • Rennen Sie barfuss in den Schnee um die Gartentür zu schließen.
  • Kippen Sie den Korb mit Ihrer frisch gewaschenen Wäsche um, und verteilen Sie diese über den Fußboden.
  • Abends hinterlegen Sie Ihre getragene Unterwäsche auf dem Boden des Wohnzimmers, weil der Welpe sie sowieso dorthin tragen wird (… dies besonders, wenn Sie Besuch haben werden …).
  • Springen Sie kurz vor dem Ende Ihrer Lieblingssendung im Fernsehen von Ihrem Sitz auf, laufen Sie zur Tür und rufen hinaus: “Nein, pfui, mach das draußen!”
  • Lassen Sie Schokoladenpudding auf den Fußboden des Hauses fallen, und üben Sie sich darin, diesen nicht aufzuwischen, bevor es Abend ist.
  • Bearbeiten Sie die Platte des Wohnzimmertisches mit einem Schraubenzieher – sie wird sowieso angekaut werden.
  • Nehmen Sie eine warme, flauschige Decke aus dem Trockner und wickeln Sie sich sofort damit ein. Dies ist das Gefühl, wenn der Welpe auf Ihrem Schoss einschläft.
  • Zerstören Sie sämtliche Deckel der teuren Tupperware – dann können Sie ausprobieren, ob die Dosen mit Frischhaltefolie abgedeckt bis zu nächsten Tupperparty genauso frisch halten!
  • Reißen Sie den Inhalt sämtlicher Papierkörbe in klitzekleine Fetzen, machen Sie diese nass und verteilen Sie auf dem Teppich.
  • Klemmen Sie das Autoradio ab, aber nicht im herkömmlichen Sinne, sondern einfach die Kabel herausreißen und mit den Zähnen durchtrennen.
  • Deponieren Sie etwas aufgeweichtes Hundefutter im Kofferraum des Autos fahren bis zum nächsten Autobahnrastplatz wo Sie das Zeug dann endlich notdürftig mit ein paar Tempos behelfsmäßig entfernen dürfen.
  • Sehen Sie zu, dass genügend Feuchtigkeit und Schlamm im Auto ist, damit man auf keinen Fall durch die Rückscheiben gucken kann.
  • Schneiden Sie das Telefonkabel einfach mal durch, um zu sehen wie das ist, wenn der Welpe es durchgebissen hat.
  • Holen Sie eine Kneifzange und zerlegen eine Fernsehfernbedienung. Nebenbei lernen Sie, dass diese teurer als das ganze Fernsehgerät ist.
  • Holen sie ein Stemmeisen und schnitzen seltsame Muster in Ihre Türrahmen. 
  • Durchtrennen Sie die Klingelanlage am Tor. Nötigenfalls buddeln sie dazu große Löcher und ziehen solange am Kabel, bis es klappt.
  • Zerlegen Sie in aller Seelenruhe den frisch geerbten Perserteppich in seine elementarsten Bestandteile.
  • Sammeln Sie Hundehaufen auf und ertragen neugierige Blicke einer Horde Langläufer die dazu den Lauf unterbrechen mit Gleichmut.
  • Ziehen sie ein Handtuch von der Wäscheleine und zwar so, dass die Wäscheleine zusammenklappt. Anschließend schleppen Sie das Handtuch auf eine matschigen Wiese hin und her. Es wird eines Ihrer ersten Hundehandtücher werden.
  • Graben Sie im Garten Ihre 25 jährigen Rosen aus und trennen Spross von Wurzel.
  • Zerlegen Sie das Lieblingsstofftier ihres Kindes und hören sich ENDLOSE Tiraden über den Verlust an.